oravecSelbstbestimmtes Lernen von Musik als grundlegendes Unterrichtsprinzip im Musikunterricht der Grundschule

Bettina Küntzel


 



1.Einleitung

Ich bin keine Wissenschaftlerin. Ich bin Didaktikerin im Sinne einer
reflektierenden Praktikerin mit dem konstruktivistischen Ansatz, Praxis
durch Reflexion weiterzuführen. Ich denke über meine Handlungen und
die anderer Lehrer/innen im Unterricht nach, ziehe daraus
theoretische Erkenntnisse und überprüfe diese wieder in der Unterrichtspraxis.

Seit 40 Jahren unterrichte ich Musik in unterschiedlichen Zusammenhängen, meist als
Lehrerin an allgemeinbildenden Schulen, die weder Offenen Unterricht oder dergleichen
kennen noch praktizieren. Immer wieder stieß ich auf Unstimmigkeiten zwischen meinem Anspruch und
meiner Praxis: Ich wollte schülernah unterrichten, doch tatsächlich stellte ich mich und meine
Ideen in den Mittelpunkt des Unterrichts und versuchte, die Schüler/innen mit allerlei Tricks dahin
zu bringen, wo ich sie haben wollte. In der Folge stellte ich meine pädagogische
Haltung, mein Handeln und mein Material infrage. Von nun an realisierte ich während
der Unterrichtsstunden nicht nur mein Verhalten, sondern auch zunehmend das meiner Schüler/innen.
Ich entdeckte ihre persönlichen Zugänge zum Fach Musik und ihre Bedürfnisse im Musikunterricht,
ihre Methoden, diese Bedürfnisse umzusetzen, und vor
allem ihre Methoden, mit dem System Schule umzugehen: so angepasst die einen, so misstrauisch
die anderen. Meine Freude am Unterrichten speist sich seitdem aus der Lust am Entdecken dieser
persönlichen Unterschiedlichkeiten. Und sie gilt dem Öffnen des Unterrichtssystems. Nur so kann ich meinem Bildungsauftrag gerecht werden.

Daher werde ich im Folgenden diese Öffnung beschreiben. Da jeder
pädagogischen Handlung, jedem Konzept und jedem Material eine
Menschenbildannahme zugrunde liegt, werde ich mit der Beschreibung der meinigen beginnen und mich
dann Schritt für Schritt von den Grundsätzen zum Konkreten vorarbeiten.

Da ich Didaktikerin im Sinne konkreter Praxisreflexion und daraus abgeleiteter Unterrichtsentwicklung bin,
arbeite ich nicht nach den Regeln herkömmlicher Wissenschaften, d.h. ich bewege mich nicht im
Wissenschaftsdiskurs, sondern beachte Veröffentlichungen nur, wenn sie Aspekte meiner praktischen
Erfahrungen und Reflektionen erhellen, untermauern, bereichern und ergänzen und wenn sie mir „über
den Weg laufen“. Ich nutze die Wissenschaften also eher, als dass ich sie erfasse und ergänze.
Wissenschaftliche Objektivität ist daher nicht gewährleistet. Dennoch bemühe ich mich innerhalb meines beruflichen
Zweiges und Erkenntnisinteresses um das, was Mahatma Gandhi über seinen Tätigkeitsbereich gesagt haben soll:
„Ich habe einfach versucht, die ewigen Wahrheiten auf meine eigene Weise auf unser alltägliches Leben
und unsere Probleme zu übertragen“(Gandhi, in Amnesty Journal 08/09 2015,S.82).

 

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