Rätselhafte Anziehungskraft

12 Werke der Kompositionsklasse L´ART POUR L’ ART wurden am Sonntag, den 19.7. in Borstel zur Aufführung gebracht

In der Kompositionsklasse des Ensembles L´ART POUR L’ ART lernen 9 - 19Jährige einem allgemeinen Thema eine persönliche Bedeutung zu verleihen und diese in Klänge umzusetzen. „Rätselhafte Anziehungskraft“ - so lautete das Thema des diesjährigen Kurses. Daraus entstanden 12 sehr unterschiedliche Werke, die am Sonntag, den 19. Juli in Borstel bei Winsen/Luhe zwischen 11 und 17 Uhr aufgeführt wurden.

 

Für den 14jährigen Aaron Gathmann hat Schokolade eine rätselhafte Anziehungskraft, sodass sein Musikstück „Versuchung“ vom Anschleichen an die begehrte Süßigkeit und von verschiedenen Störungen auf dem Weg dorthin - z.B. dem Auftauchen der Eltern - handelt. Den Klang der Schokolade spielte er selbst auf einer japanischen Tempelglocke, alles andere setzten zwei Klavierspieler und ein Percussionist um. Ganz anders dagegen Armon Böhm (geb. im Jahre 2000). Er entwickelt eine Collage aus einzelnen Anziehungskräften, die sich jedoch gegenseitig aushebeln: Bananenbonbons wurden verteilt, um zu schmecken, dagegen wurde Erdbeergeruch gesprüht. Das edle Instrument Harfe erklang inmitten von Müll, der auch anfing zu klingen, z.B. in Form eines aktiven Toasters. Harfe und eine Geige wurden von unsichtbaren Fäden gezogen, sodass sie zwar erklangen, doch keiner konnte die Spieler sehen. Auf diese Weise entstand eine erwünschte Reizüberflutung durch Kontraste. Die Komposition der 16jährigen Anna Weißbach setzte den Schlusspunkt des zweiteiligen Konzertes und berührte ganz besonders durch musikalische Intensität. Ihr geht es um den Übergang zwischen Wachsein und Schlaf, ein bekannter Zustand rätselhafter Anziehungskraft Richtung Schlaf. Die Musik dazu ist von großer Feinfühligkeit und differenzierter Dynamik. Die Sopranistin Sarah Lewark sang von einer Galerie herab und korrespondierte mit Violine, Violoncello und Harfe auf höchstem Niveau. Ausführende war das (erwachsene) Ensemble L´ART POUR L’ ART, zum Teil spielten auch die jungen Komponist/innen mit.

 

Matthias Kaul und Astrid Schmeling begleiten die Kinder und Jugendlichen im Einzelunterricht von der Idee bis zur musikalischen Realisation. Ihre vornehmliche Arbeitstechnik besteht darin, Fragen zu stellen, die auf den Prozess, auf die Entwicklung und das Wachsenlassen abzielen. Der persönliche Bezug zum Thema wird intensiv wahrgenommen, untersucht, beobachtet. Daraus werden musikalische Notwendigkeiten abgeleitet, die dann zur Klangsuche führen. Nachdem der Schüler die Wahl über seine musikalischen Mittel getroffen hat, ist der Lehrer der erste Zuhörer und schärft die Art der Betrachtung wiederum durch Fragen. So kommt der Kompositionsschüler zu seinem ganz eigenen Stück. Kein Wunder also, dass diese Musikstücke eine keineswegs rätselhafte, dafür umso begeisternde Anziehungskraft auf das zahlreich erschienene Publikum hatten.

 

Das Foto ist von Achim Duwentäster