Deine Freunde

ausm haeuschenEndlich: es gibt einen adäquaten Nachfolger für Rolf Zuckowski. Viele Kinderliedermacher/innen haben seit den Liedern von Zuckowski versucht, so erfolgreich und gut wie er Inhalte und Humor mit moderner Musik zu verbinden, die Spaß macht, der man gerne zuhört, die man gerne selber singt und die im Konzert brilliant performed wird. Mangelndes musikalisches Niveau, der leichte pädagogische Zeigefinger, das Kindertümelnde, eine eher konstruierte Welt oder der Spaß des Spaßes wegen waren Gründe, warum diese Versuche allesamt mehr oder weniger scheiterten. Die neue Formation „Deine Freunde“ kennt diese Probleme nicht: sie sind hoch professionelle Musiker und schauen sich vergnügt die Welt so an, wie sie ist. Da bleibt kein Auge trocken und gleichzeitig fragt man sich, woher diese Kerle die Realität von Kindern so gut kennen, dass sie sie gradezu unheimlich echt wiedergeben können.

 

Die „Musikalische Frühzerrockung“ stellt das Konzept vor: das aufgesetzt Pädagogische wird ersetzt durch Musik, die die realen Hörgewohnheiten und die Energie von Kindern zwischen 4 und 14 Jahren aufgreift. (siehe Youtube- Kanal DeineFreundeHamburg, dort „Musikalische Frühverrockung - Deine Freunde). 28 Lieder sind bereits auf zwei CDs erschienen (siehe die Abbildung der Cover). Das berührendste darunter ist „Einfach klein sein“, weil Musik, Text und Video zeigen, wie belastend die Leistungsfamilie für Kinder ist (siehe Youtube: "Einfach klein sein - Deine Freunde“). Genial lustig und wahr ist „Schokolade“, denn Oma "holt mir Naschis aus dem Schrank.“. Auch das Video ist urkomisch (Youtube "Schokolade - Deine Freunde“). Das heißt nicht, dass Vitamine nicht "groß und stark“ machen, aber es gibt eben noch eine Welt neben der "politisch korrekten". Hier werden beide Seiten respektiert und das völlig ohne jede Belehrung: alltägliche Erfahrungen von Kindern werden einfach abgebildet und erhalten auf diese Weise bereits ausreichend Kommentare: „Essen, Trinken, Hausaufgaben, Händewaschen, Zähneputzen - lange braucht ich dafür wirklich nicht. - Aber dann zieh ich mich an und das dauert ganz, ganz lang….“ oder "Theater - im Supermarkt. Theater - für euch kein guter Tag. Theater - im Kassenbereich. Theater - hier klopf ich euch weich. Das, was ich will, habt ihr nicht auf dem Zettel. Das hier ist Bettelrap, weil ich bettel….“ Das Lied „Hab’ ich schon gemacht“ dokumentiert Ausreden, „Räum auf“ untermauert einen eigensinnigen Begriff von Ordnung, „Erzähl mal“ greift die Fragen der Erwachsenen und typische Kinderantworten auf und „Alle anderen dürfen auch“ das Gefühl, nicht genug zu dürfen. Das sind Lieder, in der die Konfrontation der Erwachsenenwelt mit der Kinderwelt aus Sicht von Kindern gezeigt wird. Es gibt aber auch Lieder, die interne Themen unter Kindern aufgreifen. Im Lied „Digge Luft“ geht es um Streit, im Lied „Weggegangen, Platz vergangen“ um das Motto: „Pech gehabt!“, in „Spielverderber“ um dieselben und um Freundschaft im Lied „Wenn die Flüsse aufwärts fließen“. Aber niemals wird der Besserwisser rausgehängt. Und immer geht es liebevoll zu, vor allem in „Deine Mudder“ (Youtube „Deine Mudder - Deine Freunde“), eine unaufdringliche, feine Hommage an Mütter. Und es geht richtig witzig zu. Man lacht nicht nur bei den Videos, sondern auch bei den Texten und sogar die Musik ist witzig komponiert.

 

heile weltDenn musikalisch bewegen sich „Deine Freunde“ auf höchstem Niveau. Sie selbst begründen auf ihrer Website („deinefreunde.info“) ihre musikalischen Entscheidungen: „Auf unseren Konzerten haben wir vor allem eins gelernt: Es gibt musikalisch nichts, wovor Kindermusik zurückschrecken muss. Je erwachsener unser Live-Sound wurde, desto mehr haben die Kinder auf unseren Konzerten mitgefeiert - auch Kinderbäuche werden gern vom Bass geschüttelt.“ Das stimmt! Ein paar mehr gut singbare Melodien, ein paar eher einfach zu sprechende Raps - und es gäbe richtig gutes neues Material auch für die Schule.

Die Welt der Jungen spielt allerdings eine etwas größere Rolle als die der Mädchen - kein Wunder, denn die Band besteht aus drei „Jungs“. Das sind der Rapper Florian Sump (32 Jahre), der DJ Markus Pauli (35 Jahre) und der Sänger Lukas Nimscheck (25 Jahre alt) - alle gestandene Profis, denen man dankbar sein kann, dass sie sich auf den mühselig zu erobernden Markt der Kindermusik eingelassen haben: Markus Pauli war als Live-DJ mit den Band „Fettes Brot“ unterwegs, Lukas Nimschek moderiert den Tigerentenclub in der ARD und Florian Sump war Schlagzeuger der Band „Echt“. Die wissen, wie richtig guter Rap funktioniert! Damit kommen sie auch den musikbegeisterten Erwachsenen entgegen, denn: „Das Album soll so gut produziert sein, dass auch die Eltern kein Problem damit haben.“ Wie freundlich und wie klug! 2013 präsentierten sie ihre erste CD „Heile Welt“ auf über 40 Konzerten. Inzwischen ist das zweite Album "Aus Häuschen“ erschienen und man kann den sympathischen Hamburgern nur wünschen, dass ihre Bemühungen zu immer mehr Erfolg führen. Verdient haben sie es allemal.